Bayrisch-Schottische Wintergames am Geierkopf

Im März 2012 wurde durch die Nordwand des westlichen Geierkopf von Ralf Sussmann eine neue Mixed-Route erstbegangen und teilweise eingerichtet. Seine Beschreibung klang verlockend, sprach er doch von „tollem Nordwandambiente“, „Kletterei ähnlich der Matterhorn-Nordwand“ sowie „recht gutem Fels“.

Da zudem der Geierkopf in den Ammergauer Alpen liegt, also für die Münchener von uns super bequem zu erreichen ist, stand diese Tour schon seit längerem auf meiner Wunschliste.

Da Nils die Tour bereits aus dem Vorjahr kannte, seine Rotpunktbegehung aber noch ausstand, war auch der passende Partner gefunden und zusammen machten wir uns gestern im Schneegestöber von München Richtung Ammertal auf, um der Route einen Besuch abzustatten. Dort angekommen empfing und strahlenden Sonnenschein und wir frohlockten bereits, bei der Aussicht die Tour bei gutem Wetter klettern zu können, ein Fehler wie sich zeigen sollte.

Doch erst mal hieß es, mit Tourenski die 600hm zum Einstieg zu absolvieren, ein Latschengürtel sorgte hierbei für die ersten Flüche. Am Skidepot angekommen rödelten wir auf und stapften das Einstiegseisfeld seilfrei zum Stand der ersten Mixedlänge hinauf. Bereits hier deutete sich an, dass die Tour sich nicht gerade in den besten Verhältnissen darbot, anstatt Eis oder Trittfirn mussten wir durch knietiefen Schnee recht anstrengend raufspuren.

Die erste Seillänge hielt dann aber doch ein paar Eisschläuche bereit und das Klettern fing an, Spaß zu machen. Aufgrund der hohen Schneelage fand ich nur zwei Haken und auch sonstige Möglichkeiten der zusätzlichen Absicherung blieben aufgrund des kompakten, geschichteten Gesteins eher spärlich, da die Schwierigkeiten hier aber noch nicht besonders hoch waren, war dies kein allzu großes Problem und nach 60m erreichte ich den Stand am Beginn der ausgeprägten Rampe die durch die Nordwand leitet.

Hier ging es dann auch gleich richtig zur Sache, M5 und kompakte Platten die durchgängig von einer dünnen Schneeschicht bedeckt waren, versprachen eine spannende Seillänge. Dankbar überließ ich Nils den Vorstieg. Aufgrund des Schnees war enorme Putzarbeit gefragt, jeder Meter musste erst mal vom Schnee befreit werden um die darunter liegenden Felsstrukturen freizulegen. Geduldig und nervenstark arbeitete sich Nils immer weiter aufwärts und hatte nach ca. 1 Stunde den Rotpunkt der Schlüsselseillänge in der Tasche. Zeitgleich setzte auch ein immer mehr zunehmendes Schneegestöber ein, was das Sichern am Stand nicht unbedingt angenehmer machte.

Auch die folgenden Seillänge wurde noch einmal richtig anspruchsvoll. Vom Stand weg ging es in einen ca. 10 m langen Plattenquergang und dann gerade aufwärts durch weiterhin verschneites Mixedgelände Richtung stand. Nach einigen Schwierigkeiten, die Route oder gar Haken zu finden, hatten wir aber auch diese zweite Schlüssellänge in der Tasche und versuchten nun aufgrund der schon recht fortgeschrittenen Zeit, Tempo zu machen.

Die folgenden drei Seillängen kletterten wir gleichzeitig am laufenden Seil und nach einem Zwischenstand erreichten wir den Einstieg zur letzten Seillänge. Aufgrund der hohen Schneelage präsentierte sich diese Länge aber diesmal recht einfach. Im vergangenen Jahr traf Nils hier noch kombinierte Kletterei an, diesmal leitete ein dünner Eisschlauch der in ein Schneefeld überging hinauf Richtung Gipfel. Dort stellte eine recht eindrückliche Wächte ein letztes Problem an Kraft und Psysche. Nach einigem Gewühle hatte ich mich aber auch durch dieses letzte Hinderniss geschaufelt und konnte Nils nachsichern.  Mittlerweile hatten wir bereits 17.30 Uhr und nach einem kurzen Gipfelfoto ging es sofort zum Abstieg, da wir unbedingt noch bei Tageslicht die Abfahrt zum Auto absolvieren wollten.

Der Abstieg ist identisch mit der Skitour auf die Geierköpfe, recht Eindrucksvoll geht es hier vom Grat weg durch ein Felstour hinab in die Nordflanke und von dort weiter Richtung Skidepot.

Auf dem Weg dorthin fiel uns ein frisch scheinender Lawinenkegel auf. Wir beide konnten uns nicht erinnern, dass dieser schon am Morgen dagewesen wäre. Bei dem Skidepot angekommen, bestätigte sich unsere Befürchtung, eine mittelgroße Lawine war im Laufe des Tages abgegangen und hatte unser Depot überspült. Nach einiger Zeit Schaufeln und suchen in der fortschreitenden Dämmerung konnten wir aber etwas weiter unten fast alle unsere Sachen wiederfinden. Lediglich einen Skistock von mir (dummerweise der, mit dem Pieps Hangneigungsmesser) und meine Thermosflasche behielt die Lawine bis zum Tauen im Sommer bei sich. Ärgerlich zwar, aber in Anbetracht des potentiell möglichen, größeren Schadens durchaus verschmerzbar.

Nun nur noch irgendwie mit den müden Beinen die Abfahrt zum Auto bewältigen und kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir das Auto und machten und ziemlich durchfroren und durchnässt bei voll aufgedrehter Heizung an den Heimweg gen München.

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